Pressemitteilung vom 17.05.2017

53. Tegeler Gespräch mit Dr. Rudolf Seiters

Innenminister a.D. liest aus seinem Buch und erzählt Inside-Storys aus seiner Amtszeit

Dr. Seiters, Innenminister a.D., in der Waldhütte am See in Tegel, Strahlender Sonnenschein, Spezialitäten vom Grill beim Buffet und ein spannender Vortrag im grünen Norden Berlins. Menschlichkeit und Gesellschaft als Thema des amtierenden DRK-Präsidenten. Die Notwendigkeit der humanitären Arbeit erläutert Seiters mit vielen Beispielen aus Aufgabenfeldern des Roten Kreuzes. Wasserknappheit, Hunger und Dürre, Krieg und Bürgerkrieg, Flucht und Vertreibung. Hervorgehoben wurden die durch UN-Statute abgesicherten Rechte des Internationalen Roten Kreuzes zur Aufsuchung von Gefangenen und zur mandatierten humanitären Intervention im Krisenfall.

Im zweiten Teil referiert Dr. Rudolf Seiters aus seiner Vita. Als Beteiligter und Gestalter der Wende gibt es Anekdoten zum Ablauf des Vereinigungsprozesses hinter den Kulissen. Der Innenminister entlässt seinen Ministerialdirigenten in den Feierabend, da dieser einen Kindergeburtstag zu Hause hat. "Heute Abend wird nichts mehr passieren". Ein paar Stunden später fällt die Mauer. Oder: Vorsitzender des Zentralkomites und des Staatsrates Honecker wird 1991 nach Moskau ausgeflogen. Bundeskanzler Kohl weiß ein paar Stunden vorher Bescheid, hat aber keine Lust auf Ärger mit den Russen und möchte die Sache auf kleiner Flamme zu Ende kochen. Der Justizminister Kinkel erfährt es und ist stinksauer. Türschlagend verlässt der die Kabinettsrunde.

In die Amtszeit von Rudolf Seiters fiel auch die missglückte Gefangennahme von RAF-Terroristen in Bad Kleinen. Den Strafverfolgungsbehörden war es gelungen, den V-Mann Klaus Steinmetz bis in die Führungsebene der 3. RAF-Generation zu lancieren. Im Bahnhof sollte die Festnahme der Top-Terroristen Hogefeld und Grams erfolgen. Im völlig chaotisch durchgeführten Zugriff verlor der GSG9 Beamte Michael Newrzella sein Leben und der Terrorist Grams beging Suizid. Rudolf Seiters erzählt von den katastrophalen Ermittlungsfehlern bei der Tatortarbeit. Als Bundesinnenminister übernahm er die politische Verantwortung und trat zurück.

Es waren diese Insiders, die den Abend so spannend und unterhaltsam machten